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Das fünfte Posthorn

Posthorn 5: Inhaltsverzeichnis

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Infoblatt Versickerung SeitenanfangStartseite

Spätestens seit dem Urteil des Bayer. Verwaltungsgerichtshofes, dass künftig in der Regel das Oberflächenwasser bei der Abwassergebühr berücksichtigt werden muss und der sich vielerorts daraus abzeichnenden gesplitteten Abwassergebühr, ist das Thema Versickerung für den einen oder anderen wieder in den Vordergrund gerückt. Nachdem die altbekannte Abwassergebühr nur beibehalten werden darf, wenn der Kostenaufwand für den Oberflächenwasseranteil, bezogen auf das gesamte Abwasseraufkommen 12 % nicht überschreitet, werden vermutlich auch bei uns entsprechende Überprüfungen vorgenommen.

Selbst wenn es gelingen sollte einen Kostenanteil des Oberflächenwassers von max. 12 % zu berechnen, steht dies auf "dünnem Eis" und kann möglicherweise mit einem einzigen begründeten Widerspruch zu Fall gebracht werden. Wer zukunftsorientiert und auf sicherem Boden Baumaßnahmen an Haus und Hof durchführen will, ist deshalb gut beraten, wenn er sich mit dem Thema Versickerung/Zisternennutzung befasst.

Trotz allem macht es jedoch keinen Sinn, eine bestehende Hoffläche / Zisterne nur im Hinblick auf eine künftige gesplittete Abwassergebühr neu herzustellen. Dies ist nur dann interessant, wenn von Haus aus größere Baumaßnahmen geplant waren oder anfallen.

Nachdem bei der Versickerung einige Grundsätze zu beachten sind, haben wir versucht, mit Hilfe kompetenter Ansprechpartner ein Informationsblatt zusammen zu stellen, das selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben kann.

Grundlagen aus Sicht der Geotechnik SeitenanfangStartseite

Eine wichtige Voraussetzung für die Versickerung ist die ausreichende Durchlässigkeit der im Untergrund anstehenden Böden. In tonigen Böden versickert das Wasser nur sehr langsam. Die Versickerungsleistung von sandigen Böden kann demgegenüber bis zu 100.000-mal höher liegen.

Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass zu stark durchlässige Bodenarten (z.B. reiner Kies) wiederum für eine Versickerung nicht geeignet sind, da hier keine ausreichende Reinigungswirkung des Niederschlagwassers gewährleistet ist, so dass der Grundwasserschutz nicht mehr hinreichend gegeben ist.

Die Durchlässigkeit der Böden hängt überwiegend von ihrer Korngröße und Zusammensetzung ab. Sie wird durch den Durchlässigkeitsbeiwert "kf" ausgedrückt, der - vereinfacht ausgedrückt - ein Maß für die Sickergeschwindigkeit eines Wassertropfens durch den Boden darstellt. Dieser Durchlässigkeitsbeiwert kann berechnet oder durch Sickerversuche bestimmt werden.

Für eine Versickerung eignen sich nur Böden, deren kf-Wert zwischen 5 x 10-3 m/s (sandiger Kies) bis 5 x 10-6 m/s (schluffiger Sand) liegt.

Je geringer die Durchlässigkeit eines Bodens ist, um so größer ist der Flächenbedarf für die Versickerung bzw. um so mehr Speicherraum muss zur Verfügung gestellt werden. Baugrunduntersuchungen im Raum Esselbach haben sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielt. Teilweise wurden Kiese und Sande angetroffen, die für eine Versickerung gut bis sehr gut geeignet sind, während in anderen Bereichen (vor allem im Talgrund) toniglehmige Böden festgestellt wurden, die nicht versickerungsfähig sind. Das Wasser, das der Versickerungsanlage zugeführt wird, darf selbstverständlich nicht durch Emissionen aus Industrie-, Gewerbe- und Straßenverkehr belastet sein. Unbedingte Voraussetzung für die Versickerung ist jedoch, dass der Untergrund generell das Wasser aufnehmen kann, so dass zunächst eine dementsprechende Untersuchung bzw. die Durchführung eines Versickerungsversuches erforderlich wird.

Zusätzlich ist zu überprüfen, ob im tieferen Untergrund möglicherweise besser geeignete Böden für eine Versickerung vorhanden sind. Umgekehrt muss überprüft werden, ob nicht möglicherweise auf einem Stauhorizont sich das versickerte Wasser sammelt und eine weitere Versickerung beeinträchtigt.

Grober Anhaltspunkt: Bleibt auf einem angrenzenden Garten/Wiesengrundstück der herzustellenden Hoffläche nach einem starken und lang anhaltenden Regen das Wasser stehen oder nicht?

Bestehen Zweifel an der Versickerungsfähigkeit, kann diese durch einen entsprechenden Versuch festgestellt werden. Für Einzelgrundstücke kann dies in der Regel auch von einer qualifizierten Baufirma durchgeführt werden. Dies gilt jedoch keinesfalls für ein gesamtes Baugebiet. Hierfür sind umfangreiche geotechnische Ingenieuruntersuchungen erforderlich.

Dietmar Johannsen Dipl. Ing. (FH)
GMP Geotechnisches Institut
Prof.Dr. Magar + Partner

Rechtliche und technische Aspekte SeitenanfangStartseite

Unverschmutztes Regenwasser kann bei passenden Bodenverhältnissen ohne Umweltgefährdung versickert werden. Noch sinnvoller wäre es, das anfallende Wasser zuerst in einer Zisterne oder einer entsprechend sanierten Jauchegrube für die Verwendung in Haus und Garten zu sammeln und nur den Überschuss zu versickern.

Da im Landkreis Main-Spessart jedoch vielfach klüftiger Fels im Untergrund vorkommt, dürfen nach Aussage des Landratsamts nur oberirdische Versickerungsanlagen genehmigungsfrei errichtet werden. Bei solchen Anlagen kann das Regenwasser eine bewachsene Bodenschicht durchsickern, wo Schadstoffe von Bodenlebewesen abgebaut werden. Eine Schacht- oder Rigolenversickerung ist dagegen nur mit Ausnahmegenehmigung möglich. In allen Fällen muss man sich aber vor dem Bau einer Versickerungsanlage bei der Gemeinde vom Benutzungszwang für die Kanalisation befreien lassen, da selbst sauberes Wasser von Dach- oder Terrassenflächen rechtlich als Abwasser gilt, sobald es in Rohrleitungen zusammengefasst worden ist.

Eine solche oberirdische Versickerungsanlage ist beispielsweise eine Muldenversickerung, bei der das Wasser in eine flache, bis zu 30 cm tiefe Bodensenke geführt wird. Auf dieser Fläche lässt sich z. B. ein Rasen anlegen, der die meiste Zeit wie üblich genutzt werden kann. Nur nach sehr starken Niederschlägen ist die Mulde für bis zu einem Tag überschwemmt. Das Speichervolumen der Mulde wird überschlägig mit etwa 30 Liter pro Quadratmeter Dach- bzw. Belagsfläche angesetzt. Zur exakten Dimensionierung sind die Boden-, Klima- und Abflussverhältnisse dagegen exakt zu erfassen.

Bei einer Flächenversickerung, wozu auch die wasserdurchlässigen Belagsbauweisen zählen, muss der Boden so durchlässig sein, dass er den gesamten Niederschlag unmittelbar während des Regenereignisses aufnehmen kann. Bei versickerungsfähigen Wegeflächen kann die erforderliche Wasserdurchlässigkeit durch Staubeinträge und Reifenabrieb nicht in allen Fällen über Jahre hinweg garantiert werden. Trotzdem stellen solche "offenen" Belagsbauweisen eine deutliche Entlastung des Abwassernetzes dar, da nur 30 bis 50% der Niederschläge abfließen. Wie diese Flächen bei der Berechung von "gesplitteten Abwassergebühren" berücksichtigt werden, kann die Gemeinde bei der Aufstellung ihrer Entwässerungssatzung selbst festlegen. Damit der Wegebelag langfristig stabil und möglichst aufnahmefähig bleibt, muss die Tragschicht unter dem Pflaster ausreichend durchlässig sein. Deshalb wählt man häufig ein Schotter-Splitt-Gemisch der Körnung 2 bis 45 mm. Weil dieses Material aber ziemlich grobe Hohlräume besitzt, ist auf den Baugrund ein Trennvlies (eine spezielle Art Kunstfaserfilz) aufzulegen, damit sich keine Feinteile aus dem Untergrund in die Tragschicht hochdrücken. Die Tragschichtdicke ist von den Boden- und Klimaver- hältnissen sowie von der vorgesehenen Belastung abhängig, 40 cm dürften aber in den meisten Fällen ausreichend sein.

Als Belagsdecke hat sich bei durchschnittlich belasteten Hofflächen ein Pflaster mit bis zu 3 cm breiten Fugen bewährt. Die Verfüllung der Fugen und die dünne Bettungsschicht unter den Pflastersteinen sollte dabei aus gröberem Splitt z. B. der Körnung 2 bis 8 mm bestehen. In der Variante mit begrünten Fugen müssen die Pflastersteine min- destens 10 cm dick sein, damit die untere Fugenhälfte mit reinem Splitt gefüllt werden kann. Nur die oberste Schicht der Fugenfüllung darf sandigen Oberboden enthalten und sollte außerdem ca. 2 cm unter der Steinoberkante bleiben, damit die dort angesäte Gräsermischung vor dem direkten Überrollen geschützt ist. Unter Beachtung dieser Baugrundsätze bleiben die begrünten Pflasterbeläge nach Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim auch über viele Jahre hinweg wasserdurchlässig und attraktiv.

Thomas Leopoldseder
Bayrische Landesanstalt für
Weinbau und Gartenbau
Abteilung Landespflege
An der Steige 15
97209 Veitshöchheim

Beurteilung und Umsetzung der erforderlichen Einzelmaßnahmen SeitenanfangStartseite

Als qualifiziertes Bauunternehmen führen wir zusätzlich zu den von uns auszuführenden Baumaßnahmen wie z.B. Hofpflasterungen oder dem Setzen von Zisternen, auf Wunsch auch gezielte Versickerungsversuche durch, um die Durchlässigkeit des Bodens zu bestimmen.

Wir berechnen auch die erforderliche Größe geplanter Versickerungsanlagen in Abhängigkeit von den versiegelten und anzuschließenden Flächen. Zusammen mit der Beurteilung der baulichen Verhältnisse und evtl. als Regenwasserspeicher nutzbarer Gruben erhalten wir sodann Aufschluss über Art und Umfang der in Erwägung zu ziehenden Gesamtmaßnahmen. In Anpassung an die örtlichen Gegebenheiten und die gestalterischen Vorstellungen des Bauherrn, erstellen wir schließlich einen individuellen Leistungskatalog, der auch die Kostenseite im Auge behält. Selbstverständlich bescheinigen und protokollieren wir auch Art und Umfang der ausgeführten Arbeiten.

Bei Interesse an näheren Informationen stehen wir Ihnen als kompetenter Baufachbetrieb jeder Zeit gerne zur Verfügung.

Adolf Väth
Adolf Väth GmbH&CoKg
Bauunternehmung
Tel.: 09391 / 9835-0
Fax: 09391/9835-35

Informationsmaterial vom Bayer. Landesamt für Wasserwirtschaft SeitenanfangStartseite

Vom bayer. Landesamt wurde bereits im Jahr 2000 eine 50seitige Farbbroschüre über versickerungsfähige Hofbefestigungen und entsprechende Grundstücksentwässerungsmöglichkeiten heraus gegeben. Wer hierzu weitere Informationen wünscht, kann sich das Heft bei uns kostenlos abholen. Es ist sehr übersichtlich gestaltet und beschreibt die verschiedenen Möglichkeiten der Versickerung und der Oberflächenbefestigung und enthält detaillierte Anweisungen zu den Versickerungsversuchen selbst.

Die Broschüren liegt bereit bei: Bischbrunn: Manfred Maier, Ebertsgasse 3 Esselbach: Michael Väth, Am Trieb 12a Steinmark: Peter Kern, Am Ackerpfad 5